Nachruf: Prof. Lothar Gaul (1946 - 2018)

Am 18. Dezember 2018 verstarb überraschend Prof. Dr.-Ing. habil. Lothar Gaul, Fakultät für Konstruktions-, Produktions- und Fahrzeugtechnik der Universität Stuttgart, im Alter von 72 Jahren.

Lothar Gaul; Copyright Gaul

Lothar Gaul wurde am 17.11.1946 in Wilhelmshaven geboren. Nach dem Besuch der dortigen Fachhochschule studierte er mit Förderung durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes an der Technischen Universität Hannover (jetzt Leibniz Universität Hannover) Maschinenbau und legte das Diplom im Jahr 1973 mit Auszeichnung ab. Er arbeitete anschließend am Institut B für Mechanik der TU Hannover und wurde bereits 3 Jahre später, ebenfalls mit Auszeichnung, zum Doktor-Ingenieur promoviert. 1980 erfolgte an der Fakultät für Maschinenwesen der TU Hannover die Habilitation für das Fachgebiet Mechanik.

Im Jahr 1981 erhielt er einen Ruf an die Hochschule der Bundeswehr Hamburg (jetzt Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr Hamburg) auf die Professur für Mechanik im Fachbereich Maschinenbau. Er war Mitglied des Akademischen Senats der Universität und in den Jahren 1991/92 Sprecher des Fachbereichs. 1993 folgte er einem Ruf an die Universität Stuttgart und wurde zum Direktor des Instituts A für Mechanik an der Fakultät für Verfahrenstechnik und Technische Kybernetik berufen. Weitere Rufe erhielt er an die Ruhr-Universität Bochum (1985) und an die Technische Universität München (1996), die er jedoch ablehnte. Von 1999 bis 2002 war er Dekan der Fakultät und danach Wahlmitglied des Senats der Universität Stuttgart. - Lothar Gaul war Mitglied im Editorial Board zahlreicher Fachzeitschriften wie z.B. Mechanical Systems and Signal Processing, Engineering Analysis with Boundary Elements, Boundary Element Communications, Mechanics Research Communications, Computer Modelling in Engineering & Sciences und Archive of Applied Mechanics.

Lothar Gaul war ein in vielen Bereichen der Mechanik tätiger Wissenschaftler und ein leidenschaftlicher Ingenieur. Sein Institut in Stuttgart trug ab 2006 den Namen „Institut für Angewandte und Experimentelle Mechanik“, der präzise sein Arbeitsgebiet beschreibt. Lothar Gaul befasste sich mit der Wechselwirkung von Struktur und Baugrund sowie der Wechselwirkung von Strukturakustik und Hydroakustik und in diesem Zusammenhang insbesondere mit der Beschreibung der Dämpfung. Seine wissenschaftlichen Arbeiten erweiterte er später auf die aktive Schwingungs- und Geräuschregelung sowie auf Fragen der Systemdiagnose und -überwachung (Structural Health Monitoring). Sein Arbeitsschwerpunkt im Bereich der numerischen Mechanik war die Randelementmethode. Auf diesem Gebiet hat er die Lehrbücher „Methode der Randelemente in Statik und Dynamik“ und „Boundary Element Methods for Engineers and Scientists“ verfasst. Die Übertragung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse auf anspruchsvolle Anwendungen aus der Ingenieurpraxis war ihm stets ein besonderes Anliegen, ebenso auch der internationale Austausch mit den Fachkollegen.

Professor Lothar Gaul ist mit seinen lebendig gehaltenen Vorlesungen und Vorträgen vielen gegenwärtig tätigen Ingenieuren als engagierter und prägender akademischer Lehrer in Erinnerung. Die Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten sind in mehr als 250 wissenschaftlichen Publikationen dokumentiert, zahlreiche Vorträge hat er bis zuletzt auch auf Jahrestagungen unserer wissenschaftlichen Gesellschaft gehalten, für die er sich von 1996 bis 2001 als Vizesekretär engagiert hat. Mehr als 70 Doktorandinnen und Doktoranden hat er zur Promotion geführt. Für seine wissenschaftliche Arbeiten erhielt Lothar Gaul zahlreiche Ehrungen und Preise, u.a. die Helmholtz-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Akustik im Jahre 2015 und den Thomas K. Caughey Dynamics Award der American Society of Mechanical Engineers im Jahre 2013.

Wir werden Lothar Gaul als einen großartigen Kollegen, liebenswürdigen Freund und unermüdlichen Förderer der Mechanik stets ein ehrendes Andenken bewahren.

Rolf Lammering, Stefan Hurlebaus, Udo Nackenhorst, Michael Plenge, Jörg Wagner, Kai Willner, Christoph Woernle